Talent Career – Nr. 8/2016, Seite 52

Was macht Ihren Job als CTO so spannend?

 


Ein Interview mit einem CTO, der mit viel Leidenschaft an der Schnittstelle Forschung und Business arbeitet.

Der Industriestandort steht unter grossem Druck. Als Rezept auf die Konkurrenz aus dem Ausland wird überall erklärt, dass die Unternehmen effizienter und innovativer werden müssen. CTOs stehen daher unter noch grösserem Druck als sonst. Umso mehr freue ich mich schon seit Tagen auf das Gespräch mit Dr. Andreas Bong, Head Corporate Research & Technology bei der Hilti Aktiengesellschaft in Liechtenstein.

Andreas Bong empfängt mich im neuen Innovationszentrum von Hilti. Er erklärt mir die Idee und das Konzept des neuen Gebäudes, das rund 400 Arbeitsplätze in Büros, Versuchsbereichen, Labors und Werkstätten vereint. Tief beeindruckt nehme ich in seinem Büro Platz – und los geht's:

Herr Bong, ich frage Sie ganz direkt: Was macht Ihren Job als CTO so spannend?
Das ist eine einfache Frage. Für mich gibt es nichts Spannenderes, als mit einem motivierten Team an der Schnittstelle zwischen Forschung und Business arbeiten zu können. Gemeinsam mit Spezialisten aus den verschiedensten Bereichen die Grenzen des technisch Machbaren auszuloten, Trends in der Bauindustrie und in der Technologie zu analysieren und dann neue Konzepte für innovative Produkte zu erarbeiten, sind äusserst interessante Aufgaben.

Sie betonen das Team sehr stark.
Ja, mein Job hat drei Dimensionen: Technik, Geschäftsverständnis und Mitarbeiterführung. Die dritte Dimension ist die spannendste. In meinem Team arbeiten Spezialisten aus den Bereichen Werkstoffwissenschaften, Fertigungstechnologien, Mechatronik, Befestigungstechnik, Simulation, etc. Ich bin nicht und kann nicht in jedem Bereich der Fachmann sein. Nur gemeinsam schaffen wir Innovationen.

Das heisst, dass man als CTO mehr Motivator als Ingenieur ist?
Ein CTO braucht immer ein Grundverständnis der verwendeten Technologien. Und ich muss gemeinsam mit dem Team technologische Entwicklungen einordnen und bewerten können. Aber aus meiner Sicht ist es mindestens so wichtig, dass der CTO auch ein guter Teamleiter ist, der unter anderem Freiräume für kreative, innovative Ideen schafft.

Das technische Verständnis entwickelt man im Studium. Wie aber wird man ein guter Teamleiter?
Ein guter Teamleiter übernimmt Verantwortung für die Weiterentwicklung seiner Mitarbeitenden, schafft ein leistungsorientiertes, kreatives Umfeld und gestaltet die strategische Ausrichtung seines Bereiches für die Zukunft. Vieles davon kann ich lernen und mir Vorgehensweisen und Methoden aneignen. Wie ich mit Menschen umgehe, wie ich meine Rolle als Führungskraft wahrnehme, ist nach meinen Erfahrungen sehr durch die Sozialisierung, Persönlichkeit und Erfahrung geprägt und auch dadurch, wie man an sich selber arbeitet. An einigen Defiziten, die ich bei mir persönlich sehe, arbeite ich inzwischen die Hälfte meines Lebens. Und ehrlich gesagt, mache ich trotzdem nur graduelle Fortschritte – schlussendlich ist man in gewisser Weise, wie man ist.

Das heisst, Sie haben das Karriereziel CTO nicht mit Managementkursen proaktiv angestrebt?
Nein, überhaupt nicht. Meine Karriereschritte habe ich nie geplant, sie sind vielmehr einfach passiert. Ich hatte immer das Glück, dass ich Vorgesetzte hatte, die mich gefordert und gefördert haben.

Und heute als CTO unterstützen Sie auch junge Talente?

Ja, klar. Neben dem formalen Talent Management-Prozess bereitet es mir auch persönlich grosse Freude, junge Mitarbeitende, die eine Leidenschaft für ihre Tätigkeit entwickelt haben, zu fordern und fördern. So gebe ich diesen Mitarbeitenden gerne mehr Verantwortung und auch Aufgaben, die ihnen eine Visibilität zu KollegInnen aus anderen Bereichen geben.

Was zeichnet denn aus Ihrer Sicht ein Talent aus?
Für uns ist die Persönlichkeit entscheidend, sogar noch entscheidender als die fachliche Kompetenz. So muss die Person sich mit unseren Werten und unserer Kultur vollständig identifizieren können. Zudem muss die Person neugierig sein und sich weiter entwickeln wollen. Auch muss sie Dinge anpacken und andere Personen für neue Themen begeistern können.

Und als Dank entwickeln diese jungen Talente dann innovative Ideen am Laufband?
Nein, nur Talente rekrutieren reicht noch lange nicht, um als Unternehmen innovativ zu sein. Wenn ich in einem Unternehmen kontinuierlich Innovationen haben will, dann brauche ich eine Kultur, in der Mitarbeitende bereit sind, Risiken einzugehen. Das bedeutet für mich als CTO, dass ich akzeptieren muss, dass die Ideen manchmal nicht funktionieren, dass wir uns zu viel vorgenommen haben. Kurzum: Wenn ich will, dass meine Mitarbeitenden vermeintlich verrückte Ideen entwickeln, dann muss ich ihnen auch die Gewissheit geben, das Scheitern ein gutes Ergebnis sein kann.

Soeben hat die Assistentin von Andreas Bong bereits zum zweiten Mal ein Zeichen gegeben, dass das nächste Meeting ruft. Nichtsdestotrotz lässt es sich Andreas Bong nicht nehmen, mich noch persönlich zum Ausgang zu begleiten. Wahrlich eine faszinierende Persönlichkeit!

Mein Tipp:
«Nehmen Sie immer nur Jobs an, die Sie mit Leidenschaft erfüllen. Denn nur, wenn Sie den Job mit Herzblut erledigen, werden Sie diesen gut machen – und dann wird der nächste Karriereschritt automatisch kommen.»

Dr. Andreas Bong, Head Corporate Research & Technology, Hilti Aktiengesellschaft


Kurz nachgefragt
Hilti ist für zahlreiche Innovationen bekannt. Gibt es eine Innovation, auf die Sie besonders stolz sind?

Es gibt nicht die Innovation, auf die ich besonders stolz bin. Stolz macht mich aber, dass wir seit vielen Jahren kontinuierlich Innovationen entwickeln, die von den verschiedenen Geschäftsbereichen übernommen und in marktfähige Produkte überführt werden. Das ist eine grosse Leistung meines Teams!

Und was wird die nächste grosse Innovation bei Hilti sein?
Wir beschäftigen uns natürlich auch mit all den Themen, die man in den Zeitungen liest – Digitalisierung, Internet of Things, Big Data, etc. Aber zu viel will ich natürlich nicht verraten (lacht).

 


Treffe Dr. Andreas Bong @ Engineering-Days, 2.-3. Dezember 2016, Trend-Sporthotel CUBE, Savognin

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Treffe Dr. Andreas Bong @ Engineering-Days, 2.-3. Dezember 2016, Trend-Sporthotel CUBE, Savognin

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